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Informationen zu neuen Top Level Domains

Seit der Entscheidung der ICANN in Zukunft grundsätzlich jeden Begriff als Domainendung zuzulassen sind nun einige Monate voller Diskussionen zu den Vor- und Nachteilen vergangen.

 

Nun ist die Zeit gekommen, die Thematik noch einmal zu beleuchten, damit eine abschließende Entscheidung, soweit diese noch nicht getroffen wurde, herbeizuführen, da sich das Zeitfenster dafür und für den Beginn der Beantragung einer eigenen Domainendung im Laufe des Herbstes 2011 unter realistischen Annahmen schließen wird.

 

Die Bewerbung muss bis spätestens zum 12. April 2012 eingereicht werden, aber unter den jetzigen Voraussetzungen ist nach einer positiven Entscheidung für eine Bewerbung mit mindestens 3-4 Monaten Vorbereitungs- und Bearbeitungszeit zu rechnen, zumal u. a. die notwendige Expertise für die Bearbeitung der Bewerbung eine begrenzende Ressource darstellt.

 

Unser Ziel ist es, die Kosten einer solchen "eigenen Domainendung" erst im zweiten Entscheidungsschritt zu berücksichtigen und zuerst andere relevante Fragen unabhängig von den Kosten zu stellen, die das Unternehmen für sich beantworten sollte. Dabei geht es darum, das Thema neutral zu betrachten, um eine abschließende Entscheidung unter verschiedenen Gesichtspunkten zu ermöglichen.

 

Relevante Fragen

  • Wäre es für Ihr Unternehmen problematisch, wenn einer Ihrer Wettbewerber eine eigene Domain hätte und Ihnen diese Möglichkeit unter Umständen versagt bliebe? (Wer im Unternehmen würde diese Frage stellen?)
  • Möchten Sie einen eigenen Teil vom Internet "besitzen"?
  • Möchten Sie offensiv oder defensiv mit dem Thema umgehen?
  • Möchten Sie eine Marke nur schützen oder daraus einen Mehrwert generieren?
  • Möchten Sie eine eigene Registry betreiben? Mit allen Vor- aber auch Nachteilen, Chancen und Risiken?

Chancen und Risiken

 

Um diese Fragen leichter beantworten zu können, haben wir für Sie nochmal einige Kerngedanken zum Thema zusammengefasst. Kann eine .marke mehr als eine z. B. marke.com? Auf den ersten Blick scheint das nicht so zu sein, aber gibt einige interessante Aspekte dazu:

 

Bei einer .marke handelt es sich um einen sehr sicheren Namensraum (inkl. E-Mail), den nur Sie kontrollieren.

  • Dadurch, dass es eine eigene Domain Policy gibt, können unerwünschte Dritte (z. B. Domaingrabber) von einer Registrierung von vornherein ausgeschlossen werden, sodass die eigene Domainendung eine sichere Umgebung für Kunden, Partner, Mitarbeiter, etc. bietet.
  • Durch eine .marke bin ich als Markeninhaber/Betreiber völlig unabhängig von Registraren und Registries auf Basis der ICANN-Richtlinien.
  • Es gibt nur ein sehr geringes Risiko, dass es eine ähnliche Domain geben wird (z. B. .makre als Verschreiberdomain).Aus Marketing-Sicht ergeben sich außerdem noch folgende Aspekte:Eine neue Webseitenstruktur wäre möglich – reseller.marke, product.marke, customer.marke (verbunden mit hohem Aufwand).
  • Eine solche Domain wird möglicherweise höher bei den Suchmaschinen eingeordnet.
  • Domains können frei vergeben werden, man bestimmt die Bedingungen auf Basis der ICANN-Richtlinien selbst.
  • First Mover Advantage – Kunden begrüßen die neue Domain.
  • Werden die Kunden erwarten, dass große Marken eine .marke haben werden?
  • Möchte ich als Unternehmen vielleicht einen generischen Begriff dominieren (.maschine, .auto)?
  • Man kann ggf. eigene Nutzungskonzepte schaffen (seriennummer.marke, etc.).

Aber auch folgende Risiken für Markeninhaber gibt es:

  • das Risiko des dauerhaften Ausschlusses wegen sog. "string confusion", d. h. eines ähnlichen bereits registrierten Begriffes
  • das Risiko, einen Begriff an jemand anders zu verlieren, sodass der eigene gesperrt wird
  • das Risiko, dass die Investition nutzlos war, weil das neue System keinen Erfolg hat
  • das Risiko, dass die Nutzer und die Suchmaschinen niemals die neuen Endungen akzeptieren werden (siehe z. B. bisherige neue gTLDs, wie .mobi, etc.)
  • das Risiko, dass Wettbewerber einen wichtigen generischen Begriff bekommen
  • Das Risiko, dass eine zweite Runde auf Jahre hinaus verschoben wird. (Nach jetzigem Stand wird es wohl nur diese eine Möglichkeit geben sich um die eigene Domainendung zu bewerben, bei einem erfolgreichen Verlauf der ersten Runde ist eine Erweiterung nicht unwahrscheinlich, aber keineswegs sicher.)

Was spricht dafür oder dagegen, abzuwarten und zu sehen, wie sich alles entwickeln wird?

Eventuell wird es weitere Runden geben, aber wann?

  • Die ICANN-Gebühren werden eventuell in einer zweiten Runde geringer sein.
  • Die Verwendung der neuen Domains ist dann bereits üblich und ein Erfolg der eigenen Domain wahrscheinlicher.
  • Es wäre möglich, dass durch die Registrierung Dritter eine eigene Registrierung unmöglich wird - auf jeden Fall sollten die Registrierungen überwacht werden (sowohl in Bezug auf die Endungen selbst (.marke) als auch in Bezug auf Domains unterhalb neuer Endungen (marke.auto).
    Die neuen Domainendungen werden das Internet verändern.
  • Suchmaschinen werden eventuell schnell die neuen Domains besonders gut bewerten.

Es lassen sich noch viele weitere Fragen stellen, wir halten aber die Beantwortung der obigen zum jetzigen Zeitpunkt für wesentlich, um nicht in eine ungewollte, weil unentschiedene Situation zu geraten.

 

Selbst wenn die grundsätzliche Haltung zu einer Bewerbung positiv ist, müssen die Kosten in Betracht gezogen werden. Die hohen einmaligen und auch bedeutenden laufenden Kosten ergeben sich aus dem Aufwand eine eigene Registry zu betreiben.

 

Diese Kosten sind u. U. aber anders zu betrachten, wenn man die "eigene Domain" als globales Marketing- und Markenschutz-Instrument betrachtet. Ebenfalls berücksichtigen sollte man, dass es sich um ein wirklich eigenes Stück Internetinfrastruktur handelt über das ausschließlich das Unternehmen alleine verfügen kann. Die Möglichkeiten hier sind vielfältig auch ohne eine sog. "Killer-Applikation".

 

Daher sind die Kosten möglicherweise an anderer Stelle zu platzieren als dies bei den bisherigen Domainregistrierungen der Fall war.